Das Saarland ist auf der Deutschrap-Landkarte! Spätestens seit sich DCVDNS und Genetikk im medialen Rampenlicht tummeln, ist dies ein Fakt. Aber als eben genannte Konsorten noch in den HipHop-Windeln lagen, schickte sich schon ein anderer an, Restdeutschland mit hochwertigem Sprechgesang zu beglücken: Drehmoment. Dieser versüßte uns jüngst den Jahreswechsel mit dem Mixtape für seinen anstehenden fünften Streich.

Pffh: Die Vorhut heißt das gute Stück, ist neun Titel stark und kommt als flächendeckende Abreibung für alle Blender und Whack-MCs daher. So weit, so gut. Der Opener Volume Up pumpt auch gleich druckvoll, basslastig und in Moll und gibt die Marschroute vor. Der Track erinnert mich etwas an Dreckstück von Bushido—was ausnahmsweise nicht als Beleidung zu verstehen ist. Vor allem die Cuts und Samples am Ende haben es mir angetan, nicht zuletzt weil diese Kunst, von DJ Stylewarz mal abgesehen, in letzter Zeit so schändlich verschmäht wird.

Weiter geht es mit einem Loblied an die gute, alte Mukke, was gleichzeitig die erste Video-Auskopplung darstellt. Der Clip ist auch sehr schön geworden, aber flowtechnisch markiert dieser Titel eher den Tiefpunkt. Dem geneigten Leser muss klar sein, dass das Gejammer auf allerhöchstem Niveau ist, aber leider kommt mein eben noch im Takt nickender Kopf in der Strophe immer wieder aus dem Tritt. Zu sehr klingt mir der Style nach F.R., den Drehmoment 2010 noch als Support-Act durch die Bundesrepublik begleitete. Kein Fan!

Es folgt die obligatorische Huldigung an die Crowd mit Das Hier Geht Raus—technisch auf höchstem Niveau, mit gepitchter Hintergrundstimme, 300-Sample und treibenden Drums. Das gefällt und findet in Boom auch einen kongenialen nächsten Song. Rap-Puristen mag es vielleicht die Zornesader auf der Stirn platzen lassen ob des rockigen Beats. Aber man, ich steh halt auf Staccato-Piano und E-Gitarre (und höre trotzdem auch Morlockk oder Retrogott)! Das hier ist Quentin Tarantino gegen Seifenopern, Bitches!

Mit Was Raus Muss, Muss Raus liefert uns Drehmoment das wohl sympathischste Muttergeficke aller Zeiten ab: Deine Freundin hat nichts drunter, ich hab’s einfach drauf. Großes Kino!

Und dann kommt er… Meiner Meinung nach der absolute Höhepunkt der ganzen Platte. Punkt! Da wird im Titel einfach der King of Rap höchstpersönlich zitiert. Wer so etwas macht, muss auch liefern. Spoiler: Drehmoment liefert! Für Leute wie mich, die schon immer fanden, dass Neongelb von Savas zum auf die Knie fallen aber leider viel zu kurz ist, fackelt Drehmoment hier mit Neonrot ein viereinhalb-minütiges Feuerwerk ab, das sich in den Gehörgang hämmert und da auch die nächsten Wochen bleiben wird. Nicht ganz auf dem Niveau des Großmeisters aber trotzdem Wahnsinn!

Mit UFO geht es druckvoll mit dunklen Streichern weiter, bevor uns Drehmoment auf Keine Grenzen noch zwei Gäste vorstellt. Die Herren Davee Dee (von Ass El Ass, ebenfalls aus dem schönen Saarlouis) und Noi (mit Drehmoment zusammen Teil des grandiosen Saarbagage-Kollektivs) passen gut rein in das Mixtape und liefern uns ihre ganz eigene Against-all-Odds-Story.

Das abschließende Neues Kapitel gibt noch mal ordentlich auf die zwölf und lässt mich zurück mit dem wohlig-warmen Gefühl im Bauch, eben Zeuge eines wunderbaren Stückes Musik geworden zu sein. Doch eigentlich feiert ihr’s ab, denn am Ende da drückt ihr Repeat. Amen Bruder, wo ist der verdammte Repeat-Knopf?

Drehmoment küsst mich auf die Wange!
Man möchte ihn küssen, den Drehmoment. Hier dreht er den Spieß um.

Also: Holt euch das Ding für umme aber rührt auch kräftig die Werbetrommel. Wer seine Musik kennt, den liebevoll gestalteten Pffh-Facebook-Countdown erleben durfte oder ihn mal persönlich getroffen hat, weiß, wie sehr der gute Drehmoment den verdammten Fame verdient hat. One Love!